Prag 1939

von | Feb 20, 2013 | Kontext |

Im März 1939 zeigt der Nationalsozialismus endgültig seine imperialistische Fratze. Generaloberst H. Göring droht dem tschechoslowakischen Staatspräsidenten Dr. Hacha mit der Zerbombung Prags durch die deutsche Luftwaffe. Daraufhin willigt dieser, einer Besetzung der Gebiete Böhmen und Mähren durch die deutsche Wehrmacht ein. Gideon Klein (geboren am 6. Dezember 1919 in Prerau, Tschechoslowakei) steht am Beginn einer außergewöhnlichen Musikerkarriere. Ein umschwärmter Jüngling: Gut aussehend, charmant und hochbegabt (absolutes Gehör, fotografisches Gedächtnis, ungewöhnliche manuelle Fingerfertigkeit).
Als Elfjähriger besuchte er parallel zum Gymnasium – als außerordentlicher Student – das Konservatorium in Prag. Als das Pendeln zwischen seiner mährischen Heimatstadt und Prag nicht mehr möglich war, zog der Musik- und Kulturbesessene Klein zu seiner Schwester nach Prag. Schon kurz nach dem Abitur 1938 wurde er als einer der begabtesten nationalen Pianisten seiner Zeit wahrgenommen. Als Komponist waren es hauptsächlich autodidaktische Studien die er seit 1929 verfasste.
Dass Gideon Klein die unterschiedlichen Einflüsse einer pulsierenden Großstadt wie Prag aufnehmen und verarbeiten kann, belegen die Kompositionen ab 1939. Obwohl ihm eine fundierte kompositorische Ausbildung fehlt, besucht er die eher philosophische und sich u.a. mit akustischen Phänomenen (Vierteltonklängen) befassende berühmte Meisterklasse von Alois Hába. Darüber hinaus nimmt er an der Prager Karls-Universität das Musikwissenschaftsstudium auf. Während dieser Zeit entsteht auch das Divertimento für Bläser. Mit diesem bis dato umfangreichsten Werk, ist Klein auch als Komponist auf der Höhe seiner Zeit angekommen. Neben Einflüssen des, von ihm hoch verehrten, mährischen Komponisten Leoš Janáček (1854 – 1928), sind es auch das von Arnold Schönberg (1874 – 1851)  und seinem Kreis propagierte Komponieren mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen, das ihn fasziniert. Die Art und Weise der Umsetzung dieser unterschiedlichsten Strömungen, im Divertimento auch Elemente des Jazz, verweisen aber sehr stark auf Alban Berg, der seit der Uraufführung seiner Oper Wozzek (1925 in Berlin und  ab 1926 in Prag) gerade bei den in Prag lebenden Komponisten großen Eindruck hinterließ.
Mit Zunahme der Repressalien durch die deutsche Protektoratsregierung werden im November 1939 die tschechischen Hochschulen geschlossen. Ab Frühjahr 1940 sind durch die Anwendung der “Rassengesetzte” für Klein weder öffentliche Auftritte, noch eine Weiterführung seines Studiums am Konservatorium möglich. Am 4. Dezember 1941 wird Gideon Klein in das Konzentrationslager Theresienstadt interniert. Begünstigt durch die Propagandamaschinerie der Deutschen, ist es ihm und zahlreichen anderen Künstlern noch wenige Jahre vergönnt, unter widrigsten Umständen ihre musikalischen Aktivitäten fortzuführen.
Am 16. Oktober 1944 wird er zusammen mit vielen Künstlerkollegen nach Auschwitz gebracht. Am 27. Januar 1945 wenige Woche vor der Befreiung durch die Alliierten, kurz nach seinem 25. Geburtstag, wird Gideon Klein auf einem der der sog. Todesmärsche durch ein SS-Kommando erschossen.

 

Quellen:
Gideon Klein Materialien-Verdrängte Musik 6
von Bockel Verlag
holocaustmusic in English
Aufführungsmaterial Divertimento für 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte und 2 Hörner Bote & Bock Berlin

Sebastian Fritsch ist Gewinner des TONALi Cellowettbewerbs 2018.
Zusätzlich zum ersten Preis wurde ihm der Publikumspreis, die Aufnahme in die Tonalisten-Agentur, der Mariinsky-Sonderpreis sowie der Saltarello-Preis zuerkannt.

Fritsch studierte von 2014 bis 2018 bei Jean-Guihen Queyras an der
Hochschule für Musik Freiburg. 2018 wurde er in die Celloklasse von
Wolfgang Emanuel Schmidt in Weimar aufgenommen. Außerdem ist er Stipendiat der Internationalen Musikakademie Liechtenstein und nimmt dort an den Intensiv-Wochen teil. Weitere musikalische Impulse erhielt der Cellist u. a. von Jens-Peter Maintz, Wen Sinn Yang, Maria Kliegel und Lucas Fels. Darüber hinaus arbeitet er mit seiner langjährigen Lehrerin Lisa Neßling.

Als Solist mit Orchester konnte er die Konzerte C-Dur und D-Dur von
J.Haydn, die Rokoko-Variationen von P.I.Tschaikowski, das Konzert von´C.Saint-Saens, von A.Dvorak und von R.Schumann u.a. mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unter der Leitung von Joshua Weilerstein, mit dem Stuttgarter Kammerorchester unter Mathias Foremny und dem Pforzheimer Kammerorchester unter Wolfgang Emanuel Schmidt aufführen.
Außerdem gastierte er bei der Cello Biennale Amsterdam, bei den Salzburger Festspielen und beim Schleswig-Holstein Musikfestival.
Zusammen mit der Geigerin Rosa Wember gründete er 2010 das Stuttgarter Kammerduo. Das Duo konzertiert regelmäßig in ganz Deutschland und ist u.a. Instrumentalpartner der Wiener Sängerknaben. 2015 wurde das Duo in den Yehudi Menuhin-Verein Live Music Now aufgenommen.

Sebastian Fritsch spielt ein Cello von Thorsten Theis aus dem Jahr 2016.

Stuttgarter Neujahrskonzerte

Pro Stuttgart und das Weingut der Stadt Stuttgart veranstalten an einem der ersten Sonntage im neuen Jahr ein festlich, genüßlich und unterhaltsames Konzert im Großen Kursaal in Stuttgart Bad Cannstatt.

Da Musik allein vielleicht nicht jeden glücklich macht, reicht das Weingut der Stadt Stuttgart einige seiner exqusiten Tröpfchen.
Nutzen Sie die Gelegenheit, in geselliger Atmosphäre, bei einem guten Tropfen des städtischen Weinguts, mit den Musikern und den anderen Gästen ins Gespräch zu kommen.

Die musikalische Auswahl liegt in den Händen von Dirk Altmann. Gäste waren bis jetzt die Ludwig Chamber Players und das Bläserensemble STUTTGART WINDS.

Mehr Informationen zur nächsten Veranstaltung finden sie hier…

Im Mittelpunkt dieses außergewöhnlichen Ensembles steht das Akkordeon. Ein Instrument, das erst in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts seinen heutigen Entwicklungsstand erreicht hat. Eine große Verbreitung erfuhr das Akkordeon zuerst in der Volksmusik , heute wird es zunehmend von zeitgenössischen Komponisten entdeckt. Durch seine kompakte Bauweise, seinen großen Tonumfang und vielseitigen klanglichen Möglichkeiten ist es zum “Schweizer Messer” der Instrumentalmusik avanciert. Sein farbenreicher Klangraum wird durch Violine, Klarinette und Kontrabass erweitert, so dass in kleinster Besetzung ein orchestrales Spektrum erfahrbar wird. FRALHÖTI lässt sich davon inspirieren und vereint in seinen Programmen Kompositionen von Rameau bis Holliger, also vom Barock bis zu aktuellen Kompositionen. Mit Hilfe großer Komponisten wie Schubert, Brahms, Bartok oder Debussy begeben Sie sich auf eine faszinierende Reise voller Überraschungen und Entdeckungen.

Anne-Maria Hölscher Akkordeon

Dirk Altmann Klarinetten/Tarogato/Saxofon

Lukas Friederich Geige

Felix von Tippelskirch Kontrabass

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Die Ludwig Chamber Players

Cannstatter Hinterhofkonzerte

Seit 1999 Kult in Stuttgart Bad-Cannstatt

Die Cannstatter Hinterhofkonzerte finden seit 1999 in Stuttgart Bad Cannstatt statt. Zu den Initiatoren Wieland Kleinbub, Alexander Schlesinger und Dirk Altmann gesellten sich Musiker, die rund um den Daimlerplatz ansässig sind. Garanten für einen musikalisch hochwertigen Abend sind seit Anbeginn, die Musikerinnen und Musiker des SWR Symphonie Orchester, die mit Begeisterung diese Veranstaltung unterstützen. Seit 2010 finden die Cannstatter Hinterhofkonzerte auf dem wunderschönen Verlagsgelände des frommann-holzboog Verlags in der König-Karl-Str. 27 statt. Ursprünglich als Nachbarschafts-Event gestartet, erfreuen sich die Hinterhofkonzerte mittlerweile auch über die Grenzen Bad Cannstatts hinaus großer Beliebtheit.

Das nächste Hinterhofkonzert…
Samstag, d. 23.07.2018
18:30 Uhr

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Duo Dirk Altmann (Klarinette) und Petra Menzel (Klavier)

Die beiden MusikerInnen kennen sich seit vielen Jahren und haben schon in ihrer Jugend gemeinsam musiziert. Nach diversen Kammermusikprojekten haben sie jetzt eion Duo-Programm französisch-deutscher Provenienz kreiert.

Musik von…

Bach (Schumann) | Mozart | Mendelssohn | Berg | Schumann | Pierné | Koechlin | Fauré | Koechlin | Poulenc

Mehr über…

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